Steht nach einem Regenschauer Wasser in den Pflasterfugen und spritzt beim Überfahren wieder heraus, ist das mehr als nur ein optisches Problem. Die Fuge kann die Verkehrslast dann nicht mehr sicher auf die Nachbarsteine übertragen, und genau diese Lastverteilung ist die eigentliche Aufgabe des Fugenmörtels. Bei der Dalhoff GmbH Straßen- und Tiefbau sehen wir auf Baustellen in Berlin und Potsdam immer wieder, wie viel von der Lebensdauer einer gepflasterten Fläche allein an der richtigen Fugenfüllung hängt. Welche Materialien zur Wahl stehen, was DIN 18318 dazu vorschreibt und worauf es bei der Verarbeitung ankommt, zeigen wir Ihnen in diesem Beitrag.
Warum der Fugenmörtel über Stabilität und Lebensdauer entscheidet
Eine Pflasterdecke ist kein durchgehender Belag, sondern ein System aus einzelnen Steinen, die sich gegenseitig stützen. Erst die Fuge sorgt dafür, dass Schub- und Scherkräfte aus dem Verkehr von Stein zu Stein weitergegeben werden, statt sich an einzelnen Steinen zu konzentrieren. Fehlt diese Verzahnung oder ist die Fuge nur lückenhaft gefüllt, beginnen die Steine zu wandern, Kanten brechen aus, und Wasser dringt in die Bettung ein. Im Winter beschleunigt genau das Frostschäden erheblich.
Nach DIN 18318 müssen Fugen daher nach dem Verdichten vollständig bis zur Steinoberkante gefüllt sein. Bei gebundener Bauweise kommt zusätzlich die Anforderung eines tragfähigen Haftverbunds zwischen Stein, Fuge und Bettung hinzu. Wie viel das in der Praxis ausmacht, zeigt sich an jeder Einfahrt, die nach wenigen Jahren wieder aufgenommen werden muss, weil die Fugenfüllung von Anfang an unterdimensioniert war.
Ungebundene Pflasterfugen: Fugensand und Splitt nach DIN 18318
Die einfachste und zugleich älteste Lösung ist die ungebundene Fugenfüllung mit Fugensand oder Splitt. Eingekehrt oder eingeschlämmt, füllt das Material den Zwischenraum, ohne selbst auszuhärten. Die Stabilität entsteht über Reibung und Verzahnung der Körner untereinander.
DIN 18318 legt dafür klare Körnungen fest, von 0/2 über 0/4 und 0/5 bis 0/8 oder 0/11 Millimeter, je nach Fugenbreite und Nutzung der Fläche. Seit der Überarbeitung der Norm ist für Bereiche ohne Kfz-Verkehr auch wieder feinerer Sand 0/2 zulässig. Für die Fugenbreite selbst gilt bei den meisten Betonpflastersteinen ein Sollmaß von 4 mm mit einer Toleranz von ± 2 mm.
Der Vorteil liegt auf der Hand: Wasser versickert nahezu ungehindert, und kleine Bewegungen im Untergrund gleicht das Material problemlos aus. Bei stärker befahrenen Flächen wie Zufahrten oder im kommunalen Straßenbau reicht reine Reibung zwischen den Körnern allerdings nicht mehr aus. Hier sind gebundene Systeme im Vorteil.
Gebundene Fugenmörtel im Vergleich: Zement oder Reaktionsharz?
Wo Fahrzeuge regelmäßig über die Fläche rollen oder die Fuge wasserundurchlässig bleiben soll, kommen gebundene Fugenmörtel zum Einsatz. Am Markt haben sich dafür zwei Grundtypen durchgesetzt.
Zementgebundene Fugenmörtel: Verarbeitung und Schwachstellen
Zementäre Fugenmörtel lassen sich vergleichsweise einfach verarbeiten. Sie werden auf die Fläche gegossen, mit einem Wischgummi in die Fugen geschoben, und nach kurzer Standzeit wird der Überschuss mit Wasser und Bürste entfernt. Das macht sie bei großen Flächen wirtschaftlich.
Ihre Schwäche zeigt sich erst über die Zeit. Zementmörtel ist relativ spröde, während sich die Pflastersteine unter Verkehrslast minimal bewegen. Ohne zusätzliche Verklebung mit dem Bettungsmörtel reißt die Fuge irgendwann auf, genau deshalb verlangt DIN 18318 bei der gebundenen Bauweise inzwischen einen geprüften Haftverbund.
Reaktionsharz-Fugenmörtel: Flexibilität und Wasserdurchlässigkeit
Reaktionsharzmörtel auf Epoxid- oder Polyurethanbasis sind elastischer und verzeihen die natürlichen Bewegungen einer Pflasterdecke deutlich besser. Risse durch den sogenannten Federeffekt der Steine treten seltener auf, und viele Produkte bleiben dabei wasserdurchlässig, solange die Fugenbreite nicht zu gering ausfällt.
Für private Auftraggeber ist das oft ein konkreter finanzieller Vorteil: Wer auf versickerungsfähige Flächen setzt, kann je nach Kommune bei der gesplitteten Abwassergebühr sparen. Im Gegenzug ist die Verarbeitung anspruchsvoller. Ein- oder Zweikomponentensysteme müssen exakt nach Herstellervorgabe angemischt werden, sonst bleiben Festigkeit und Haftung hinter den Erwartungen zurück.
Normen und Regelwerke: Was DIN 18318 für den Fugenverguss vorschreibt
Mit der Neufassung im VOB-Gesamtband von 2019 deckt die ATV DIN 18318 erstmals nicht mehr nur die ungebundene, sondern auch die gebundene Bauweise vollständig ab. Für gebundene Bettungen schreibt die Norm beispielsweise eine Dicke von 50 mm mit 10 mm Toleranz vor, unabhängig von der späteren Verkehrsbelastung. Ergänzend regeln die ZTV Pflaster-StB sowie die TL Fug-StB die Anforderungen an Fugenfüllstoffe in Verkehrsflächen.
Auch die Witterung bei der Ausführung ist normativ relevant: Verfugt wird grundsätzlich nur bei Temperaturen zwischen 5 und 25 Grad Celsius. Außerhalb dieses Fensters verändert sich das Abbinde- beziehungsweise Aushärtungsverhalten der meisten Mörtelsysteme zu stark, um ein zuverlässiges Ergebnis zu garantieren. Wer als Auftraggeber ein Angebot vergleicht, sollte deshalb gezielt nachfragen, nach welcher Norm und mit welchem Material gearbeitet wird.
Verarbeitung in der Praxis: Vom Einschlämmen bis zum Markensystem
In der Praxis entscheidet neben dem Material vor allem die Sorgfalt bei der Ausführung über das Ergebnis. Die Fuge muss sauber, trocken und frei von losen Bestandteilen sein, bevor überhaupt verfugt wird. Andernfalls hält weder Zement- noch Reaktionsharzmörtel zuverlässig.
Für ein gleichbleibendes Ergebnis setzen wir im Rahmen unserer Steinsetzarbeiten zunehmend auf abgestimmte Markensysteme, bei denen Mörtel, Zusatzmittel und Verarbeitungsgerät exakt aufeinander eingestellt sind. Ein Beispiel ist unsere ACOSIM® Pflasterverfugung, die sich bei stark beanspruchten Flächen bezüglich Alterung und Belastbarkeit bewährt hat und auch hohen Schub- und Scherkräften gut standhält.
Typische Fehler beim Fugenverguss vermeiden
In der Praxis tauchen vor allem drei Probleme immer wieder auf: zu feuchte oder verschmutzte Fugen vor dem Verfugen, eine zu knapp bemessene Fugenbreite, die kein vollständiges Füllen erlaubt, und die Verarbeitung bei ungeeigneter Witterung, etwa bei Frost oder direkter Mittagshitze. Jeder dieser Punkte allein reicht aus, um die Lebensdauer der Fuge spürbar zu verkürzen.
Welches Material passt zu Ihrem Projekt? Entscheidungshilfe
Die Wahl des richtigen Fugenmörtels hängt am Ende von der Nutzung der Fläche ab. Diese Übersicht fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen:
Fugenmaterial | Geeignet für | Wasserdurchlässig | Pflegeaufwand |
Fugensand / Splitt | Gehwege, private Terrassen ohne Kfz-Verkehr | Ja | Muss gelegentlich nachgefüllt werden |
Zementgebundener Mörtel | Stark befahrene Flächen, wasserundurchlässig gewünscht | Nein | Gering, mit Haftverbund langlebig |
Reaktionsharzmörtel | Einfahrten, hochbelastete Flächen mit Versickerung | Meist ja | Gering, höhere Anfangsinvestition |
Im Zweifel lohnt sich eine kurze fachliche Einschätzung vor Ort, denn Bodenverhältnisse und tatsächliche Belastung lassen sich am Schreibtisch nur begrenzt beurteilen.
Fazit
Der Fugenmörtel ist selten das, was beim Pflastern zuerst auffällt, dafür umso mehr das, was am längsten über das Ergebnis entscheidet. Ob ungebundener Splitt, zementgebundener Mörtel oder elastisches Reaktionsharz: Jedes Material hat seinen berechtigten Platz, wenn es zur Belastung und zum Untergrund passt und normgerecht nach DIN 18318 verarbeitet wird.
Planen Sie eine Pflasterfläche in Berlin oder Potsdam und sind sich unsicher, welcher Fugenmörtel zu Ihrem Projekt passt? Die Dalhoff GmbH Straßen- und Tiefbau berät Sie gern und übernimmt die fachgerechte Verfugung direkt mit. Nehmen Sie hier unverbindlich Kontakt zu uns auf.
FAQ
Wie breit sollte eine Pflasterfuge sein?
Bei Betonpflastersteinen und -platten bis 100 mm Nenndicke gibt DIN 18318 ein Sollmaß von 4 mm mit einer Toleranz von ± 2 mm vor. Bei Naturstein oder größeren Formaten kann die sinnvolle Fugenbreite davon abweichen, hier zählt die Einschätzung vor Ort.
Wie lange muss Fugenmörtel aushärten, bevor die Fläche befahren werden darf?
Das hängt vom System ab. Klassische zementgebundene Mörtel benötigen oft mehrere Tage. Beschleunigte Systeme mit speziellen Zusatzmitteln, wie sie etwa beim ACOSIM-System eingesetzt werden, können bereits nach rund 48 Stunden belastbar sein. Maßgeblich ist immer das Datenblatt des jeweiligen Produkts.
Sind wasserdurchlässige Fugen Pflicht?
Eine generelle Pflicht gibt es nicht, aber viele Kommunen honorieren versickerungsfähige Flächen über die gesplittete Abwassergebühr. Bei wasserundurchlässigen Fugen kann je nach Bundesland und Vorhaben eine Genehmigung der zuständigen Behörde notwendig sein. Im Zweifel klärt das ein kurzer Anruf bei der Gemeinde oder bei uns.
Können alte Pflasterfugen nachträglich saniert werden?
Ja, ausgewaschene oder rissige Fugen lassen sich in der Regel sanieren, ohne die komplette Fläche neu zu verlegen. Wichtig ist, die alte Fugenfüllung vollständig zu entfernen und den Untergrund vorzubereiten, bevor neu verfugt wird, sonst hält auch der neue Mörtel nicht dauerhaft.